Berthild Sachs: Im Herzen hab ich eine große Abschiedswehmut im Blick auf Schwabach verspürt – und zugleich eine unbändige Vorfreude auf die herausfordernde neue Aufgabe und dass man mir das zutraut. Gepaart mit großem Respekt davor.
Sie haben als Pfarrerin in der Wirtschaft gearbeitet – was haben Sie aus dieser Zeit für Ihre heutige Arbeit mitgenommen?
Berthild Sachs: Ich habe dort in verschiedenen Bereichen der Personalabteilung gearbeitet. Das prägt meinen Blick auf Mitarbeitende. Sie sind unsere kostbarste Ressource, ob haupt- oder ehrenamtlich. Wertschätzung, Interesse, Klarheit und Fairness sind ihnen gegenüber das wichtigste Investment.
Sie haben in vielen Bereichen der Kirche gewirkt – was waren für Sie die prägendsten Erfahrungen?
Berthild Sachs: Als nebenamtliche Gemeindeberaterin der früheren Gemeindeakademie Rummelsberg habe ich viele kleine und größere Veränderungsprozesse in Gemeinden und Dekanaten begleitet. Ich weiß um Widerstände und Mühen, aber habe oft genug auch die positiven Energien erlebt, die der Mut zum Neuen freisetzt.
Der Kirchenkreis Bayreuth umfasst 338 Gemeinden – wo sehen Sie die größten Herausforderungen?
Berthild Sachs: Wir werden in Zukunft auch in Oberfranken eine Kirche sein mit weniger Pfarrstellen, weniger Geld und weniger Gebäuden. Aber auch mit weniger Mitgliedern. Gemeinden überfordern sich mit dem Anspruch, immer noch Vollsortimenter zu sein. Wir brauchen regionale Kooperationen, Schwerpunktsetzungen und verlässliche, arbeitsteilige Zuständigkeiten.
Strukturwandel, Mitgliederschwund, gesellschaftlicher Wandel – was kann Kirche tun, um relevant zu bleiben?
Berthild Sachs: Gesellschaftliche Megatrends wie Individualisierung oder in manchen Regionen Bevölkerungsrückgang können wir als Kirche nicht aufhalten. Umso wichtiger ist es, unseren Kirchenmitgliedern, auch den Nicht-mehr- oder Noch-nicht-Mitgliedern fröhlich, nahbar und deutlich im Geist des Evangeliums zu begegnen, wo immer das möglich ist.
Welche Impulse möchten Sie als Regionalbischöfin setzen?
Berthild Sachs: Ich komme nicht mit einem fertigen Programm. In den vielen Umbrüchen, in denen sich unsere Welt und Kirche derzeit befindet, braucht es nicht den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Den möchte ich gerne stärken!
Was bedeutet Glaube für Sie persönlich? Hat sich Ihre Sicht darauf über die Jahre verändert?
Berthild Sachs: Mein Glaube war zunächst eine faszinierende philosophisch-theologische, aber eben eher abstrakte Denkmöglichkeit. Das hat mich zur Theologie gebracht. Er begann lebendig zu werden, unter anderem durch und in der Musik. Inzwischen ist er Beziehung, in der und aus der ich lebe: Beziehung zum dreieinen Gott, Maß und Mitte meiner Beziehungen zur Welt und den Menschen.
Haben Sie ein Bibelwort oder eine geistliche Leitlinie, die Sie durch Ihr Leben begleitet?
Berthild Sachs: Unter anderem mein Konfirmationsspruch aus Psalm 103: Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte. Dass Gott in seiner Zugewandtheit geduldig ist, mit mir selbst, mit der Welt, mit seiner Kirche, das ist für mich immer wieder Grund zur Hoffnung.
Sie sind mit einem Schulpfarrer verheiratet – gibt es theologische Diskussionen am Frühstückstisch?
Berthild Sachs: Mein Mann ist ein Frühstücksverächter. Bei uns gibt es nur den Sonntagsbrunch, und da versuchen wir, das Theologisch-Dienstliche mal beiseite zu lassen. Aber natürlich ist es toll, immer einen theologischen Gesprächspartner im Haus zu haben.
Was hätten Sie gemacht, wenn Sie nicht Pfarrerin geworden wären?
Berthild Sachs: Tatsächlich hatte ich vor dem Abi auch mal Medizin, Altphilologie oder Gartenbau in der engeren Wahl, aber innerlich war da die Entscheidung fürs Theologiestudium längst gefallen.
Wenn Sie sich eine Schlagzeile in zehn Jahren über Ihre Zeit als Regionalbischöfin wünschen dürften – welche wäre das?
Berthild Sachs: Kirche in Oberfranken – viel mehr, als du glaubst!
(Quelle: Sonntagsblatt 360° evangelisch)
Der Festgottesdienst kann jederzeit in der ARD Mediathek abgerufen werden unter:
https://www.ardmediathek.de/video/gottesdienste/zur-einfuehrung-der-reg…